
Beim letzten Besuch des Heidelberger Zoos fiel mir ein unbekannter kleiner Baum im Eingangsbereich auf. Seine doppelt gefiederten Blätter erinnerten an Baumfarn. Nur die merkwürdigen Blüten passten nicht dazu.
Es stellte sich heraus: Es war ein Seidenbaum oder Seidenakazie. Geholfen hat mir bei dieser Entdeckung eine Flora von Madeira und das Internet.
In den heißen Sommertagen Anfang Juli, wenn man nachts kaum mehr Schlaf findet, beginnt die Blütezeit der Seidenakazie (Albizia julibrissin). Der subtropisch anmutende Baum, der bei uns nur in sehr milden Klimalagen gedeiht, ist dann ganz in seinem Element. Denn er gehört zur Gruppe der Mimosengewächse, die sonst fast ganz auf die Tropen beschränkt sind. Wie die Mimosen faltet die Seidenakazie nachts ihre kleinen Blattfiedern zusammen, was ihr im Deutschen auch den Beinamen Schlafbaum eingebracht hat. Als Schlafmittel kommt der Baum nicht in Betracht, aber ins Träumen kommt man leicht unter seiner schirmförmigen Krone mit den doppelt gefiederten Blättern und den filigranen, zartrosa Blüten, die fast nur aus Staubblättern bestehen.
Mit der Seidenproduktion hat der Baum allerdings auch nichts zu tun. Der Name Seidenakazie leitet sich von den langen, weiß bis rosa gefärbten Staubblättern der Blüten ab, die in der Sonne wie kostbare Seide glänzen.
